Tagalog Grundlagen
© Georg Benz

Hi, mein Name ist Georg Benz und ich bin ein Halbfilipino. Wie so oft ist auch mein Vater ein Deutscher wohingegen meine Mutter eine Filipina ist. Ich habe vor etwa 7 Jahren durch Literatur und einem ausgeklügeltem System Tagalog gelernt und beherrsche die Sprache in Wort und Schrift.

Gerne möchte ich über diese Möglichkeit der Webseite mein Wissen an euch kostenfrei weitergeben. Für jede konstruktive Anschrift bin ich sehr dankbar. Ihr könnt mich unter feedback(at)tagalog4you.de erreichen.

 

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- ein muss für jeden Tagalog Lerner!

Tagalog Grundlagen

Nunja wie fängt man am Besten an, eine Sprache zu vermitteln? Beliebt ist oft die Methode mit einer Begrüßung in der jeweiligen Fremdsprache einzuleiten. Das werde ich an dieser Stelle mal nicht machen, sondern ich werde zunächst auf wesentliche Unterschiede zwischen dem Deutschen und Tagalog aufmerksam machen. Ich versuche mich so klar und so einfach wie möglich auszudrücken. Am Anfang jeder Lektion soll der zu vermittelnde Stoff zusammengefasst werden. In diesem Bereich bekommt ihr Richtlinien, Hinweise oder nähere Informationen in der Grammatik und für die Sprache an die Hand, die euch, wenn sie beherzigt werden, eine gute Hilfe sein können. Ziel soll es in diesem Bereich nicht sein, aufzuzeigen wie etwas in einem Satz konstruiert oder zusammengestzt wird. Dies soll in den jeweiligen Unterabschnitten näher erläutert werden.

Was sind nun die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Deutschen und Tagalog?

Zusammenfassung

  • Benutzung eines Fragepartikels 'ba'
  • Benutzung eines Höflichkeitspartikels 'po'
  • Getrennte Aussprache von Doppelvokalen
  • Unterscheidung zwischen einem exklusiven und inklusiven 'wir'
  • Bevorzugter Satzaufbau nach PSO (Prädikat, Subjekt und Objekt) statt SPO im Deutschen
  • Wurzelwortsystem als Beugungsgrundlage
  • Fokusierung und Betonung von bestimmten Satzteilen durch 'ang' und 'ng'

 

Beginnen wir der Reihe nach, wobei ich vorab sagen möchte, dass die letzten beiden Punkte gleichzeitig auch die Schwierigsten sind. Diese kann man durchaus als die Königsdisziplin für jeden Tagalog Lerner bezeichnen. Gerne möchte ich euch durch Lerneinheiten Schritt für Schritt auch in diese Materie hineinhelfen. Aber zunächst stellen wir das so erstmal in den Raum und beginnen mit Informationen über den Fragepartikel 'ba' und arbeiten uns durch die in der Zusammenfassung genannten Themen.

Benutzung des Fragepartikels 'ba'

Im Deutschen ist man das Thema eines Fragepartikels nicht gewohnt. Für einen Ausländer in Deutschland ist es vielleicht sogar etwas Befremdliches keinen Fragepartikel zu haben. Zumal die Identifikation oder das Heraushören einer Frage im Deutschen sich einem Ausländer nicht immer ohne weiteres erschließen muss. Auf der anderen Seite ist es für einen Tagalog Lerner einfacher Fragen in Sätzen auszumachen, da es immer ein Hinweiswort dafür gibt - nämlich das Wörtchen 'ba'. Das Tagalog Wort 'ba' oder wenn es Satzteile miteinander verbindet und dadurch 'bang' lautet, zeigt dem Zuhörer immer und eindeutig eine Frage auf. Mit diesem Wissen kann man zumindest schonmal erkennen, ob man mit einer Antwort reagieren muss/soll oder ob man einfach weiter passiv fleißig nicken und zustimmen kann. Natürlich zeige ich euch hierzu mal ein Beispiel:

Nakapunta ka na ba rito? - Bist du schon hier gewesen?

Nakapunta na ako rito. - Ich bin schon hier gewesen.

Vielleicht habt ihr gemerkt, dass im Deutschen bis auf die Beugung des Verbs 'sein' und der Personalpronomen 'du' und 'ich' nicht viel geändert hat. Man kann sich vorstellen, dass es für einen Deutsch Lernenden schwer sein kann, zwischen einer Aussage und einer Frage zu unterscheiden. Im Tagalog dagegen ist dies selbsterklärend und klar unterscheidbar.

Hörst oder liest du ein 'ba' in irgendeinem Tagalog Satz, so weißt du, dass es eine Frage war und du dementsprechend reagieren solltest.

 

Benutzung des Höflichkeitspartikels 'po'

 

Das Höflichkeitspartikel 'po' entspricht im weitesten Sinne dem deutschen 'bitte' und lässt Tagalogsätze angenehm in den Ohren der Einheimischen klingen. Wichtig bei der Benutzung dieses Partikels ist das Alter der Gesprächspartner. Wird man einen älteren unbekannten Zuhörer vor sich haben, ist es umso wichtiger auf dieses Wörtchen zu achten. Dagegen kann man den Höflichkeitspartikel getrost bei jüngerer bis gleichaltriger Zuhörerschaft weglassen. Doch vorsicht, das Wort entspricht eben nur im weitesten Sinne dem deutschen 'bitte'. Es untermalt eher die eigene Anerkennung und den eigenen Respekt zum Gegenüber, als dass es zu einer Handlung auffordern soll. Auch die Position einer Person kann unabhängig vom Alter durch die Verwendung von 'po' gebührend gewürdigt werden. So wird man beispielsweise beim Präsidenten, Botschafter oder bei einem anderen Würden- oder Amtsträger der Philippinen, oder auch bei einer unbekannten Person, dessen Hintergrund, Alter oder dessen Stellung in der Gesellschaft auf den Gebrauch des 'po' nicht verzichten können.

Die Verwendung von 'po' gestaltet sich oft als sehr knifflig, da die Stellung des Partikels im Satzzusammenhang zu ungewollten Zungenbrecher führen kann. Wie 'po' verwendet wird und wo man diesen Partikel gezielt und richtig setzen kann, wird in einer der kommenden Lektionen aufgezeigt. Dennoch ist diese Hürde für einen echten Tagalog Lerner eine gute Möglichkeit, sich den Respekt der Filipinos zu verdienen. Denn es gilt: Höflichen Menschen ist man auf den Philippinen auch stets höflich.

Demnach kann man sich einprägen:

Das Höflichkeitspartikel 'po' kann bei älteren, älter aussehenden und unbekannten und prominenten Gesprächspartner verwendet werden. Bei Jüngeren kann dies (auch spaßeshalber) gebraucht werden, um besondere Leistungen oder deren besondere Vorbildlichkeit zu würdigen. Dies ist allerdings selten anzutreffen und stellt eher die Ausnahme dar.

Getrennte Aussprache von Doppelvokalen

Anders wie im Deutschen trennen Filipinos Doppelvokale, also Vokale die direkt hintereinander stehen, in strenger Weise. Dadurch wird ein geschriebenes

maaari

oder ein

naiintindihan

zu einem gesprochenen

ma-a-ari

und

na-i-intindihan.

Was Vokale genau sind, könnt ihr unter der Rubrik Begrifflichkeiten näher einsehen.

Bitte sprich direkt zusammenhängende Vokale immer streng getrennt aus.

Exklusives oder Inklusives 'wir'

Was wird das wohl sein? Nunja wieder ist es der deutschen Sprache geschuldet, dass unser einer mit diesem Begrif wenig anzufangen weiß. Doch jede Sprache und somit auch die Deutsche, die nichts mit einem exklusiven oder inklusiven 'wir' anzufangen weiß, praktiziert diese Unterteilung unbewusst. Sie wird durch die Situation und den Kontext von Sätzen entschieden. Der Zuhörer muss dann für sich selbst entscheiden welches 'wir' eingesetzt wird. Was es mit inklusiv und exklusiv auf sich hat wird an folgenden zwei Bildern veranschaulicht. Es wird gleich dazu die Tagalog Entsprechung genannt.

EXKLUSIV

Deutsch: "wir"

Tagalog: "kami"

© S. Hofschlaeger/pixelio.de

INKLUSIV

Deutsch: "wir"

Tagalog: "tayo"

© S. Hofschlaeger/pixelio.de

Natürlich ist die Sichtweise hierbei wichtig. Man stelle sich nun vor, dass die lila farbenen Eier mit dem rotbraunen Ei sprechen und im Bild links exkludieren d.h. aus einer Unternehmung ausschließen. Im Bild rechts dagegen wird das rotbraune Ei von den lila Eiern inkludiert d.h. in ihre Unternehmung eingebunden.

Im Tagalog ist es sehr wichtig darauf zu achten. Es kann mit unter peinlich oder gar enttäuschend sein, die beiden Wörter 'tayo' und 'kami' zu verwecheln! Hierzu ein Beispiel, was aus der Praxis gegriffen ist.

Halika! Kakain kami. - Komm! Wir werden (Ansprechpartner exkludiert) essen.

Halika! Kakain tayo. - Komm! Wir werden (Ansprechpartner inkludiert) essen.

Was im Deutschen keinen Unterschied macht, macht im Tagalog einen gewaltigen Unterschied aus. Während die erste Variante zunächst durch das 'halika' dazu aufruft zu kommen und Vorfreude bringt auf das Essen, das der Angesprochene bereits sieht, wird er im nächsten Augenblick durch den Ausdruck 'Kakain kami' irritiert und vielleicht sogar enttäuscht sein. Denn die Essenden sind nicht er und die, die ihn eingeladen haben, sondern er darf sozusagen kommen, um ihnen lediglich beim Essen zuzusehen. Da vergeht jedem Filipino die Lust sich dazu zu gesellen und man könnte ihn dadurch vergraulen.

Man kann sich vorstellen, dass auch keine klaren Arbeitsanweisungen erfolgen können oder überhaupt eine Zusammenarbeit erschwert wird, wenn man diese beiden Wörter nicht klar auseinander halten kann.

Deswegen sollte jeder Tagalog Lernende die zwei Wörter 'tayo' (inklusiv) und 'kami' (exklusiv) klar unterscheiden und anwenden können!

Bevorzugter Satzaufbau nach PSO (Prädikat, Subjekt und Objekt)

Wie fängt man im Deutschen in aller Regel einen Satz an? Nunja es gibt sicherlich Ausnahmen, dennoch wird gut und gerne die Form des SPO angewendet. SPO bedeutet Subjekt, Prädikat und Objekt und gleichzeit deren Reihenfolge in der Anwendung. Betrachten wir beispielsweise diese einfachen Sätze.

Du holst das Baby.

Er schreibt einen Brief.

Die Personalpronomen 'Du' und 'Er' stehen in diesen Beispielen an erster Stelle und lauten in der Grammatiksprache das Subjekt. Subjekte können auch als die "Täter", oder als die, die in einem Satz etwas tun, bezeichnet werden. Als nächstes erscheint das Prädikat 'holst' bzw. 'schreibt'. Hier werden die Prädikate als Verben, Tunwörter oder Zeitwörter verwendet. Und als Letztes kommen die Objekte. Diese zeigen an, mit was etwas gemacht wird. Sie können auch als die "Opfer" in dem Satz betrachtet werden.

Im Tagalog funktioniert dies auch, nur ist diese Form umständlich und eben auch ungeschickt. Deswegen werde ich zwar in einer der kommenden Lerneinheiten darauf eingehen und die Satzkonstruktion des SPO erklären, aber nicht weiter ausbauen. Die Tagalog Logik in der Satzzusammenstellung geht mehr nach dem Aufbau eines Fragesatzes im Deutschen. Wir formulieren dazu die zwei oben stehenden deutschen Aussagen in Fragen um.

Holst du das Baby? --> Holst du das Baby.

Schreibt er einen Brief? --> Schreibt er einen Brief.

Für das Tagalog lassen wir jetzt einfach das Fragezeichen im Deutschen weg und ersetzen es zu einem Punkt. Danach müssen wir nur noch die Wörter übersetzen und mit ein bisschen Spucke und Gehirnschmalz ist der Tagalog Satz fertiggestellt. Schauen wir uns das mal in Tagalog genauer an.

Kukuha ka ng sanggol.

Susulat siya ng letra.

Wir erkennen die Personalpronomen 'ka' und 'siya', die jeweils an zweiter Stelle stehen. An erster Stelle stehen die Verben oder die Prädikate richtig und danach können Subjekten kommen. Mit dieser Regelliegst du immer goldrichtig!

Kurzum, präge dir bitte ein, deine Sätze stets zuerst mit Verben und danach mit deinen Subjekten anzufangen. Dann liegst du immer goldrichtig!

Wurzelwortsystem als Beugungsgrundlage

 

Was im Deutschen beispielsweise durch die unregelmäßigen Verben kaum oder gar nicht möglich ist, wird im Tagalog schön einfach und konsequent angefangen von Adjektiven bis zu allen Verben durchgezogen. Es handelt sich hierbei um Wurzelwörter (Ich benenne sie immer aus dem Englischen 'rootwords'). Diese bilden einen festen Wortstamm, aus dem alles andere wie beispielsweise Adjektive und Verben entlehnt werden können. Dies verringert den Lernaufwand gegenüber dem Deutschen oder auch dem Englischen um ein Vielfaches, da die vielen Ausnahmeregelungen und unregelmäßigen Verben nicht zusätzlich gelernt werden müssen. Wählen wir beispielsweise ein Wurzelwort aus dem Tagalog aus:

aral (Wurzelwort)

Dieses Wurzelwort an sich hat kaum eine Aussagekraft. Deswegen müssen wir das Wort noch ein wenig frisieren. Wir werden es in die verschiedenen Verbformen verwandeln. Aufgepasst:

mag + aral (Infinitivform)

nag + aral (Vergangenheitsform)

naga + aral (Gegenwartsform)

maga + aral (Zukunftsform)

Bitte beachtet, dass wir hier Doppelvokale vorfinden. Ich erinnere daran, dass diese streng getrennt vorgelesen werden müssen! Also wird beispielsweise aus einem geschriebenen 'magaaral' ein gesprochenes 'mag-a-aral'.

Wir können aus dem Wurzelwort 'aral' auch eine andere Beugungsform wählen. Denn das das Tagalog Wort 'aral' lässt auch eine Beugung mit '-in' zu. Um die Beugungsformen eines Verbes oder Adjektives zu recherchieren, benötigt man ein vernünftiges Wörterbuch, das die Wörter + Beugungsform aufzeigt. Wenn wir nun das '-in' als neue Beugungsform wählen, sieht dass mit dem 'aral' wie folgt aus:

aral + in (Infinitivform)

in + aral (Vergangenheitsform)

ina + aral (Gegenwartsform)

a + aral + in (Zukunftsform)

Obwohl nun die Beugung eine andere ist, bleibt das Wurzelwort erhalten. Es wird maximal bei anderen Beugungsarten eine Silbe in das Wurzelwort ergänzt und damit leicht verändert. Doch auch das folgt einem festen Schema und kann sehr leicht erlernt werden! Welche weiteren Beugungsarten existieren und wie man sie anwendet wird in einer der kommenden Modulen eingehender behandelt. Wir wollen aber nun zu einer Zusammenfassung dieser Einheit gelangen:

Man kann daraus ableiten, dass es sehr sinnvoll ist, lediglich die Wurzelwörter für Adjektive und Verben zu erlernen. Die Beugungen können separat erlernt werden, da sie für jedes Wurzelwort ihre Anwendung finden.

Fokusierung und Betonung durch 'ang' und 'ng'

Dieses Thema ist mitunter eines der schwersten grammatikalischen Elemente des Tagalog. Man sollt sich davon aber nicht abschrecken lassen, diese Thematik anzugehen. Es ist mit etwas Systematik absolut beherrschbar und dann eigentlich auch gut zu verstehen. Ich habe bereits viele Tagalog Lerndende gesehen, die sich damit herumgeschlagen haben es aber immer geschafft haben 'ang' und 'ng' sicher zu gebrauchen.

Zunächst stellen wir uns der Frage, was diese kleinen Wörtchen 'ang' und 'ng' eigentlich bedeuten. Leider besitzen sie mehrere Verwendungsmöglichkeiten, die erst durch Gebrauch und Verständnis eindeutig unterschieden werden können. Ich möchte jedoch an dieser Stelle gerne auf den wichtigsten Einsatz eingehen, nämlich den des Fokus und der Betonung. Der Teil des Satzes der quasi direkt nach einem 'ang' steht, bildet den Fokus und damit auch die Betonung des Satzes. Der Teil der zwischen einem 'ng' und 'ang' oder direkt nach einem 'ng' steht, ist sozusagen vorhanden und hat einen gewissen Aussagecharakter, bildet aber nicht den Fokus des Satzes. Wir schauen uns mal gleich ein Beispiel an.

Nakita ng ama ang bahay.

Tuturuan ng mga anak ang guro.

Man erkennt das 'ang' und das 'ng' in den zwei Beispielsätzen. Wir haben uns gemerkt, dass der Satzteil der direkt nach einem 'ang' genannt wird, betont wird. Ob man ein 'ang' oder ein 'ng' verwenden soll, hängt auch von der Beugung des Verbes ab. Desweiteren gibt es auch die sogenannten 'ang' und 'ng' Pronomen. Diese könnt ihr in ihrer Übersicht unter dem Unterverzeichnis "Personalpronomen" einsehen. Ich empfehle dringend sich diese Personalpronomen auswendig zu merken, da diese Wörter grundlegende Elemente der Sprache Tagalog sind.

Da weitere Erklärungen den hier festgesetzten Rahmen sprengen würden, möchte ich auf die nächsten kommenden Sektionen links in den Reitern aufmerksam machen, in denen die Problematik und Anwendung von 'ang' und 'ng' erläutert und anschaulich erklärt wird.

Als Fazit kann man sich demnach folgendes einprägen: 'ang' und 'ng' dienen zur Betonung von Satzteilen und hängen von der Beugung des Verbs ab.

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